Zittersieg
mit Happy End
Himmelfahrtstag
2006, 17.07 Uhr - ein schriller Pfiff durchdringt
die regenfeuchte Luft über dem Riederwald.
Sekundenbruchteile später bricht sich
der Jubel wie ein Orkan Bahn - der Bornheimer
Hang bebt. Schluss, Ende, Aus! In einem packenden,
bis in die Schlusssekunden dramatischen Finalspiel
hat der KSV Hessen den FSV Frankfurt vor 8000
Zuschauern - davon allein 3000 aus Kassel
- mit 1:0 niedergerungen. 95 Minuten Kampf
auf Biegen und Brechen waren zu Ende. In diesem
nervenzerfetzenden Duell der beiden Oberliga-Giganten
wurde der zuvor siegessichere Spitzenreiter
nach über 30 Spieltagen Alleinherrschaft
im letzten Moment vom Aufstiegsthron gekippt.
Während die enttäuschten
Frankfurter Spieler nach dem Schlusspfiff
im Jammertal der Tränen versanken, begann
im Kasseler Lager das Freudenfest. Wie auf
Kommando rannten die jubelnden Löwen-Spieler
in Richtung eigenes Tor. Sekunden später
war Oliver Adler im Pulk der Mitspieler verschwunden.
Begraben aus Dankbarkeit, weil der 38-jährige
Torwart-Veteran Sieg und Aufstieg festgehalten
hatte. Gerade in der hektischen Schlussphase,
die der souverän leitende Schiedsrichter
Viktora aus Dillenburg um ganze fünf
Minuten verlängerte, wurde Adler zum
rettenden Engel. Ob bei Schüssen des
flinken FSV-Angreifers Dzihic (72. und 90.),
einem Kopfball von Zimmermann (76.) oder dem
strammen Weitschuss von Uyanik (89.), Teufelskerl
Adler war einfach nicht zu überwinden.
Seine größte Tat vollbrachte der
KSV-Keeper allerdings in der 26. Minute. Nach
einem Freistoß für den FSV durch
Winter köpfte Verteidiger Laurito aus
kurzer Entfernung aufs Kasseler Tor, doch
mit einem Reflex boxte Adler den Ball noch
ins Toraus.
Zu diesem frühen Zeitpunkt
hätte die Partie durchaus zu Gunsten
der Bornheimer kippen können, denn Julio
Cesar (4.) und Thorsten Bauer (20.) hatten
bis dahin bereits zwei Torchancen für
den KSV ausgelassen. Der tat sich nach flottem
Beginn zunehmend schwerer, weil sich die stabile
FSV-Abwehr durch das einfallslose Angriffsspiel
der Löwen (hohe Bälle, viele Fehlpässe)
kaum in Verlegenheit bringen ließ.
Daher kam der Entscheidungsschlag
kurz nach dem Seitenwechsel auch für
alle überraschend. Bauer startete von
der linken Seite einen Sololauf in den Frankfurter
Strafraum, ließ Muftawu aussteigen,
täuschte an und schoss. Leicht abgefälscht
schlug der Ball ein (48.).
Was dann folgte, war ein
erbitterter Schlagabtausch. Der mündet
- weil Cesar im Konter (87.) das 0:2 vergab
- in einer kolossalen Abwehrschlacht der bis
zum Umfallen kämpfenden Löwen (überragend:
Thorsten Schönewolf). Und mit einem Happy
End.
Jubelarien, Freudentänze,
Fangesänge und Weißbiergüsse
zeugten danach vom Begeisterungstaumel im
freudetrunkenen Löwen-Tross. "Ich
habe die Mannschaft in der Halbzeitpause noch
einmal auf ein 1:0-Spiel eingeschworen",
gab der überglückliche KSV-Trainer
seine Marschroute nach dem Triumph preis.
Die ging voll und ganz auf. Dank einer perfekten
Einzelaktion des Torjägers, etlichen
Glanztaten des Torwarts und dem unbändigen
Willen einer Mannschaft, die an diesem Tag
nur dieses Ziel vor Augen hatte: Sieg, Meisterschaft,
Aufstieg!
Rolf Wiesemann
(HNA-Sportredaktion, 26.05.2006) |